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"Hochpustertaler Passion"- 1991 und 2008



Über die spielerische Gestaltung des Leidens Christi schreibt H. Brinkmann:

“Ihr Sinn offenbart sich im Ursprung; aus dem Gottesdienst ist das Spiel gekommen, Gottesdienst ist es geblieben. Kein Schauspiel für eine festlich gestimmte Schar von Weltkindern, sondern religiöse Feier, in der Mitwirkende und Anwesende als eine Gemeinschaft der Gläubigen die Erhebung zu Gott begehen.”

Den Ursprung bildet somit die kirchliche Liturgie. Das gilt auch noch für die Passionsspiele in Thiersee und Erl, wo die altehrwürdige Tiroler Spieltradition der In-Bild-Setzung des Erlösungswerkes Christi bruchlos bis ins Mittelalter zurückreicht. Sonst wurde diese Art der Heilverkündigung in unserem Lande überall durch die strengen Spielverbote seitens der aufgeklärten Regierungen im späten 18. Jahrhundert unterbrochen.

In Erl und Thiersee verwendet man seit dem 19. Jahrhundert neuere Textschöpfungen, im übrigen Tirol hielt man sich hingegen bis zu den Spielverboten grundsätzlich an das aus dem Mittelalter ererbte Spielgut, das im Laufe der Zeit von den einzelnen Spielgemeinschaften in eigenständiger Weise ausgebaut, ergänzt und abgeändert wurde; jede größere Ortschaft pflegte dieses Spiel und überall wurde ständig an den Textfassungen gefeilt. So wurde die Tiroler Passion zum Gemeingut aller und zum besonderen Ausdruck der einzelnen Ortsgemeinschaften. Vom Kind bis zum Greis beherrschte jeder den in seinem Heimatort üblichen Passionstext.

Durch die Verordnung des letzten Konzils ergaben sich für das spielerische Gestalten im Rahmen der kirchlichen Liturgie neue Freiräume. So versuchen nun manche Kirchengemeinden, Evangelienberichte nicht nur vorzulesen, sondern auch spielerisch in schaubare Handlung umzusetzen. Auf der Basis mittelalterlicher und barocker Tiroler Passionsspielhandschriften habe ich die Ausarbeitung einer Textform versucht, die auch in unserer Zeit verwendbar sein könnte. Dabei habe ich mich, wie die Textbearbeiter in alter Zeit, streng an die Aussagen der Bibel gehalten, besonders an jene des Evangelisten Johannes. Mein Textbuch wurde 1981 in der Stiftskirche von Innichen in Szene gesetzt, und man konnte in eindrucksvoller Weise erleben, wie tief und nachhaltig auch der Mensch unserer Tage durch diese Form der Heilsverkündigung angesprochen wird.

Dr. Egon Kühebacher

 

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